Deutscher Gewerkschaftsbund

125 Jahre Tag der Arbeit: 1890 - erstmals gehen am 1. Mai Millionen ArbeiterInnen auf die Straße

Maiplakat von 1956: Ein fröhliches Kind streckt den rechten Zeigefinger mit dem Arm nach oben. Der Slogan: "Samstags gehört Vati mir."

Maiplakat 1956

Nach dem Haymarket-Massaker von 1886 wurde der 1. Mai zum Kampftag für den Achtstundentag. 1889 folgte der Internationale Arbeiterkongress in Paris dem amerikanischen Vorbild und rief für den 1. Mai 1890 zu einer „großen internationalen Manifestation“ auf: An diesem Tag begingen erstmals Millionen Menschen den „Weltfeiertag der Arbeit“ – auch in Deutschland demonstrierten sie für bessere Arbeitsbedingungen.

Der Pariser Kongress hatte in seinem Aufruf offen gelassen, wie dieser Tag begangen werden sollte. Ob durch allgemeine Arbeitsruhe oder Demonstrationen nach Arbeitsschluss blieb den einzelnen Ländern überlassen.

In Deutschland warnte die sozialdemokratische Reichstagsfraktion vor einer allgemeinen Arbeitsruhe. Sie fürchtete um die „Früchte des Sieges“, denn bei den Reichstagswahlen 1890 war sie zu einer starken Kraft im Parlament geworden, obgleich das berüchtigte bismarcksche Sozialistengesetz von 1878 noch galt. Deshalb schlugen die Sozialdemokraten vor, nur dort, „wo immer man eine Arbeitsruhe am 1. Mai ohne Konflikte erwirken kann, da möge es geschehen“.  Die Unternehmerverbände drohten mit Aussperrungen, Entlassungen und Schwarzen Listen auf die Ankündigung. Wer auf einer solchen Liste stand, hatte in seiner Gegend keine Chance mehr auf Arbeit.

Doch die Menschen in Deutschland ließen sich am 1. Mai 1890 davon nicht abschrecken, 100.000 beteiligten sich an Streiks, Demonstrationen und so genannten Maispaziergängen. Schwerpunkte bildeten Berlin und Dresden. In Hamburg kam es zu einem besonders erbitterten Arbeitskampf mit zeitweise 20.000 Beteiligten. Dieser zog sich bis in den Sommer hinein, ohne dass die Gewerkschaften ihre Forderungen nach kürzeren Arbeitszeiten durchsetzen konnten.

„Die erste deutsche Maifeier war zwar allgemein, aber sie war nicht einheitlich“, resümierte nach dem 1. Mai 1890 August Bebel.

Auch in den folgenden Jahren reagierten viele Unternehmen auf den 1. Mai mit Aussperrungen und Entlassungen. Dennoch gewann die Idee einer Maifeier immer mehr Anhänger, doch bis zum Ende des Kaiserreiches 1918 schaffte es der 1. Mai nicht zum allgemeinen Feiertag.

Mit dem Ende des wilhelminischen Deutschland schien für die arbeitenden Menschen ein besseres Zeitalter zu beginnen. Der Achtstundentag wurde vereinbart und die Gewerkschaften „als berufene Vertretung der Arbeiterschaft anerkannt".

Die Weimarer Nationalversammlung beschloss, den 1. Mai 1919 zum allgemeinen Feiertag zu erklären. Das Erstarken der reaktionären Kräfte in der Weimarer Republik verhinderte jedoch eine reichseinheitliche Regelung für den 1. Mai. Es blieb den Ländern überlassen, die Feiertagsregelung festzulegen

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ver.di Geschichte: Vom Kampf- zum Feiertag: Zur Geschichte des 1. Mai

Serie: 125 Jahre Tag der Arbeit

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