Deutscher Gewerkschaftsbund

05.12.2019

Ausbildungsreport 2019

Wir brauchen ein echtes Upgrade für eine Ausbildung 4.0

Ausbildungsreport 2019: Wir brauchen ein echtes Upgrade für eine Ausbildung 4.0

Mittwoch, 04.12.2019

Im Rahmen einer Pressekonferenz haben die Vorsitzende des DGB NRW, Anja Weber, und der Abteilungsleiter Jugend des DGB NRW, Eric Schley, heute den Ausbildungsreport 2019 vorgestellt.

„Zwei Drittel der Auszubildenden bescheinigen ihren Betrieben eine gute Ausbildungsleistung“, betont Anja Weber mit Blick auf den Ausbildungsreport 2019. Es sei gut, dass sich viele Unternehmen ihrer Ausbildungsverantwortung stellten, doch gebe es innerhalb der Ausbildung immer noch gravierende Mängel, die es schnellstens zu beseitigen gelte. „Auszubildende berichteten von regelmäßigen Überstunden, ungenügender Ausbildungsvergütung und der regelmäßigen Zuweisung von Aufgaben, die absolut nichts mit der Ausbildung zu tun haben. Die Arbeitgeber dürfen sich daher nicht wundern, wenn weniger Jugendliche diese Berufe ergreifen. Sie müssen die tiefsitzenden Probleme angehen und eine Qualitätsoffensive starten, um mehr Jugendliche als Auszubildende zu gewinnen“, so die DGB NRW-Vorsitzende.

Der in der Öffentlichkeit erweckte Eindruck, dass es genügend Ausbildungsplätze gebe, sei nach wie vor nicht zutreffend. In NRW gebe es nur in fünf von 30 Arbeitsagenturbezirken ein auswahlfähiges Angebot und große regionale Unterschiede. „Lediglich rund 22 Prozent der Betriebe in NRW bildet überhaupt aus. Hier muss dringend gegengesteuert werden“, fordert Weber.

Den Schwerpunkt der Studie bildet das Thema Digitalisierung.

„Unsere Befragung zeigt deutlich, dass dieses Thema enorme Bedeutung für die Auszubildenden hat“, sagt Eric Schley. „Fast 80 Prozent der Befragten gaben an, dass Aspekte der Digitalisierung in ihrem zukünftigen Beruf von großer Relevanz sind, allerdings fühlen sich nur 60 Prozent gut auf diese Herausforderung vorbereitet.“ Hier brauche es mehr Qualifizierung, an der es aber derzeit noch fehle. „Nur knapp die Hälfte aller Auszubildenden wird gezielt für die Nutzung digitaler Technologien qualifiziert. Mit der Dauer der Ausbildung sinken diese Werte. Hier besteht deutlicher Handlungsbedarf, um die Ausbildung zukunftsfest zu machen.“ Unterstützen können dabei Personal- und Betriebsräte sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen, wie der Abteilungsleiter Jugend betont. „In Ausbildungsbetrieben mit einer Interessensvertretung fühlen sich weitaus mehr Auszubildende gut auf die Digitalisierung vorbereitet. Das unterstreicht eindrucksvoll die wichtige Rolle der Mitbestimmung für die Arbeitswelt 4.0.“.

Die Studie zeigt auch, dass sich ein Drittel der Auszubildenden nur ausreichend oder mangelhaft auf die digitalen Medien und Technologien vorbereitet fühlt. Ein Grund dafür ist auch die zum Teil schlechte Ausstattung der Berufskollegs, die von den Auszubildenden kritisiert wird. „Hier muss ein enormer Finanzierungsstau überwunden und in gute Ausstattung investiert werden“, so Schley.

Hintergrund:

Seit 12 Jahren legt die DGB-Jugend jährlich einen Ausbildungsreport vor. Für den Report 2019 wur-den über 5.000 Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen in NRW nach der Qualität ihrer Ausbildung befragt. In der Gesamtbewertung schnitten Verwaltungsfachangestellten, die Bank- und Industriekaufleute besonders gut ab. Die schlechtesten Noten gaben ihrer Ausbildung erneut Fachverkäuferinnen und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, die Hotelfachleute so-wie die Friseurinnen und Friseure.

 


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