Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 011/2020 - 08.05.2020

Pressemitteilung zum 8. Mai – 75. Jahrestag der Befreiung

anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus führte  der DGB heute eine Gedenkveranstaltung vor dem Rathaus Aachen durch. Im Rahmen der Veranstaltung wurden Grußworte des DGB, der Stadt Aachen und des Vereins ‚Wege gegen das Vergessen‘ gehalten. Zu Ihrer Kenntnis und Verwendung senden wir das Grußwort des Geschäftsführers der DGB Region NRW Süd-West, Ralf Woelk.

Redebeitrag 8. Mai 2020 – Tag der Befreiung, Rathaus Aachen,
Ralf Woelk, Geschäftsführer DGB Region NRW Süd-West

 

Anrede,

Heute jähren sich zum 75. Mal die Kapitulation des Deutschen Reiches und das Ende des Zweiten Weltkrieges. Dieser Tag war keine Niederlage. Dieser Tag war die Befreiung vom Faschismus; und für viele Menschen bedeutete es buchstäblich auch die Befreiung aus den Konzentrationslagern und Gefängnissen. Die alliierten Streitkräfte beendeten die Herrschaft der Nationalsozialisten nach über sechs Jahren Krieg und zwölf Jahren Diktatur durch die Faschisten. 

Wir gedenken an diesem Tag der über 60 Mio Toten des Krieges. Wir erinnern und gedenken an die über 6 Millionen Menschen, die in deutschen Konzentrationslagern umgebracht wurden. Wir gedenken der ermordeten und verfolgten Frauen und Männer, die aufgrund ihres jüdischen Glaubens, ihrer politischen Aktivitäten oder einer anderen sexuellen Orientierung zum Opfer des faschistischen Systems wurden. Wir gedenken der ermordeten und Verfolgten  Frauen und Männer der Arbeiterbewegung, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, die ihr Leben für Freiheit und Demokratie lassen mussten. 

Wir fühlen uns dem Schwur von Buchenwald verpflichtet: Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. 

Man sollte meinen, dieser Schwur ist eine Selbstverständlichkeit im Handeln und Denken für jeden Menschen, der erfahren hat, welche Verbrechen an der Menschheit durch den Faschismus ausgeübt worden sind. Doch leider sind eine Rückkehr zum Nationalismus, sind Gewalt gegenüber Minderheiten, geflüchteten Menschen, gegenüber Menschen des jüdischen und islamischen Glaubens wieder präsent. Die Dummheit erhält in jeder Krise neue Nahrung. Daher darf die Aufklärung über die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht auf einen Tag im Jahr beschränkt sein. Wehret den Anfängen gilt jeden Tag. Dennoch ist und bleibt der 8. Mai ein besonderes Datum in der deutschen Geschichte. Die Gewerkschaften haben sich deshalb der Forderung von Esther Bejarano angeschlossen und auf dem letzten DGB-Bundeskongress einstimmig gefordert, den 8. Mai zu einem ständigen Feiertag zu erklären. Denn es gibt kaum ein Datum, das in der Bedeutung an den 8. Mai 1945 heran reicht. Man möge sich nur einmal vorstellen, die Alliierten hätten diesen Krieg nicht gewonnen.

Der 8. Mai war auch der Ausgangspunkt für 75 Jahre Frieden in Europa, für mittlerweile offene Grenzen zwischen den meisten Ländern Europas. (Corona). Wir pflegen mit unseren Nachbarn gute Beziehungen und genießen die Freiheit, uns inmitten von Europa ‚grenzenlos‘ bewegen zu könne. Zurzeit ist das schwierig. Doch das hat einen Grund. Gerne hätten heute auch einige Vertreter der niederländischen und belgischen Gewerkschaften an unserer Gedenkveranstaltung teilgenommen. Doch leider ist dies aufgrund der in beiden Ländern geltenden Schutzbestimmungen heute nicht möglich. Dafür habe ich großes Verständnis. Dennoch haben uns die Kollegen ein Grußwort zukommen lassen, aus dem ich gerne zitieren möchte:

„Es ist ein bisschen wie früher.“, so der Vergleich den mancher Grenzbewohner derzeit zieht. Längst überwunden geglaubte Grenzen sind wieder geschlossen. - Wir halten inne und werfen einen ganz bewussten Blick zurück auf ‚früher‘. Ein Blick der uns daran erinnert, was Freiheit und Freizügigkeit wirklich bedeuten. Ein Blick der uns offenbart, welch langen Weg wir als Grenzregion in 75 Jahren gegangen sind. Ein Blick, der uns mahnt, wie aus Hass und Intoleranz entsetzliches Leid und Unrecht erwachsen.

Nein – es ist kein bisschen ‚wie früher‘. Und es soll nie wieder so sein. Dafür stehen wir ein, dafür stehen wir auf!“

Ich danke den Kolleginnen und K. der belgischen Gewerkschaft CSC (Regionalsekretär Marc Niessen) für diese wahren Worte. Und auch dafür, dass sie mit ihrem Beitrag richtigerweise einordnen, dass die Kritik von Einigen, an den derzeitigen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie völlig überzogen und jeglicher Vergleich mit vordemokratischen Zeiten völlig unangemessen ist.

Dabei gibt es gerade am heutigen Tag viele Dinge, die deutliche Kritik erfordern. Deutschland gehört nach wie vor zu den weltweit größten Waffenexporteuren. Dadurch werden tagtäglich Kriege gefüttert. Das steht in großem Widerspruch zur Losung: Von deutschen Boden darf nie wieder Krieg ausgehen! Eine konsequente Umsetzung dieses historischen Auftrages bedeutet einen Ausstieg aus den Waffenexportgeschäften, auch wenn das am Ende des Tages Arbeitsplätze kosten wird.

Auf Druck der USA haben sich die NATO-Staaten außerdem darauf verständigt, zukünftig 2% des BIP für Militärausgaben zu verwenden. Wenn dieses 2%-Ziel umgesetzt wird, bedeutet das nahezu eine Verdopplung der dt. Rüstungsausgaben. Diese liegen jetzt bei 43 Mrd, und würden zukünftig bei unglaublichen 85 Mrd € liegen! Jedes Jahr.

Die Bundesregierung hat jetzt die Anschaffung von neuen Flugzeugen beschlossen, mit denen auch Atomwaffen transportiert werden könnten. Das IPPNW hat berechnet, dass man für die 7,5 Milliarden Euro, die für die Anschaffung nötig sind, 100.000 Intensivbetten, 30.000 Beatmungsgeräte, 60.000 Pflegekräfte oder 25.000 Ärztinnen und Ärzte bezahlt werden könnten.

Lasst uns endlich ernst machen mit dem Schwur von Buchenwald: „Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel!“ 


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